Dienstag, 27. Januar 2009

Wahlkampf2.0

Spätestens seit Barack Obama das Internet zum zentralen Mediums eines Wahlkampfes erklärte, ist auch in Deutschland das web2.0 in aller Munde. Der Zufall will es, dass dieses Jahr nun ein so genanntes Superwahljahr ansteht - ein Grund für alles politischen Parteien verstärkt auf das Internet zu setzen. Was bei den zurückliegenden Wahlen noch auf Veranstaltungen vom Publikum hochzuhaltende Banner ("Angie", "Supeer" etc.) waren, sind nun Facebook, Twitter & Co.
Während noch vor ein paar Monaten "social communities" und "web2.0" in erster Linie Schlagzeilen mit der Nichtbeachtung von Datenschutzrichtlinien und dem gleichzeitigen lockeren Umgang von Teenagern mit eigenen Daten machten, entdecken nun auch Parteistrategen und Spitzenpolitiker das Internet für sich.
Es gilt das WebZwoNull und deren User für sich zu gewinnen. Dabei darf bezweifelt werden, ob diese Entwicklung auch ohne die Obamania in dieser Form stattfinden würde.
Dass man sich dabei an der Obama-Kampagne orientiert ist kaum zu vermeiden und auch sinnvoll - diese zu kopieren ist aber ebenso peinlich wie symptomatisch: Aus mangelnder Erfahrung fehlt der Mut oder die Idee etwas eigenes zu starten. Dabei macht gerade das eine authentische Kampagne aus. Man vergleiche das Obama-Logo mit dem vom "teAM Deutschland".
Es gilt eigene Akzente zu setzen, statt zum Westentaschen-Obama zu werden, weil das "gerade so angesagt" ist. Dann sollte man lieber auf die traditionellen Mittel zurückgreifen.
Die Interaktion wird bei allen vergleichbar sein, wobei sich da jeder überlegen sollte, wie man mit der jeweiligen Plattform zusammenpasst. Ein gestandener Kommunalpolitiker um die 50 Jahre und im Beruf, sollte sich dreimal überlegen, ob beispielsweise das studiVZ die passende Plattform sei. Auch muss sich nicht jeder dröge Typ auf einmal einen Podcast zusammen stammeln oder auf Youtube wackelige Videos präsentieren.
Dennoch wird es auch das geben - und auf die Ergebnisse darf man gespannt sein. Neben wenigen Glanzlichtern dürfte man ansonsten wohl zwischen Amüsement und Fremdschämen hin und her wanken.